Mittwoch, 18. April 2018

Faktisch, postfaktisch, postmodern?

Unter diesem etwas sperrigen Titel führte uns Prof. Dr. Heinzpeter Hempelmann ein in eine der zentralen Herausforderungen der heutigen Gesellschaft: Ist meine Überzeugung wahr? Und wenn ja, dann auch für alle anderen? Oder nur für mich? Und versteht mein Gegenüber überhaupt, was ich von ihm will, wenn ich sage, meine Überzeugung entspricht der einzigen/meiner Wahrheit?

Als Antwort auf diese Fragen präsentierte Prof. Hempelmann die Mindset-Theorie, nach der wir in unseren Wahrheitsansprüchen in drei grundsätzlich unvereinbaren Kategorien agieren:

  1. Prämodern-Traditionsorientiert:

o   Die eine Wahrheit ist traditionell bekannt und sollte jedem klar sein.

o   Sie verbindet die Gemeinschaft.

  1. Modern-kritisch:

o   Alles muss kritisch hinterfragt werden, um der einen Wahrheit auf die Spur zu kommen.

o   Wahrheit spaltet die Gesellschaft in die, die daran glauben und die, die nicht daran glauben. 

  1. Postmodern-pluralistisch:

o   Jeder hat seine eigene Wahrheit, eine allgemeingültige Wahrheit gibt es nicht.

o   Wahrheit isoliert den Einzelnen und fragmentiert die Gesellschaft.

Da jede dieser Kategorien in sich logisch absolut nachvollziehbar ist, aber von grundverschiedenen Denkvoraussetzungen ausgeht, müssen Menschen bei der Kommunikation ihres Wahrheitsanspruchs darauf achten, die Annahmen des Gegenübers wahrzunehmen und die eigenen nicht vorauszusetzen.

„Demütig sein und offen werden!“

Mit dieser und weiteren Empfehlungen für eine erfolgreiche und gewinnbringende Kommunikation von Wahrheit und dem Schlusswort „Lasst euch versöhnen mit Gott“ (2. Kor 5,20) und miteinander, ermutigte Prof. Hempelmann die Anwesenden, offen aufeinander zuzugehen und voneinander zu lernen, so wie er sich auch begeistert dem Diskurs in der offenen Fragerunde stellte.

Alles in Allem war der Vortrag eine spannende Abwechslung zum manchmal doch eher monotonen Vorlesungsalltag und machte Lust auf mehr. Weitere ähnliche Themen werden in der Apologetik-Gruppe jeden Montag 19:30 Uhr im Familienzentrum in der Bismarckstraße 19 diskutiert und in der Großgruppe am 2. Mai geht es mit einem spannenden Vortrag zum Thema freier Wille weiter!